So sieht mein Solus-Desktop mit Gnome aus. (Bild von mir)
Jede und jeder hat mindestens eine zweite Chance verdient.
Also auch Gnome. Und so habe ich mir (auf meiner Linux-Reise) Ubuntu, Fedora und Solus jeweils mit Gnome angeschaut und muss sagen: Zum Glück glaube ich an den Spruch mit der zweiten Chance. Denn ich habe mich tatsächlich mit Gnome versöhnt und vermutlich den Ansatz von Gnome verstanden und schätzen gelernt.
Nach den virtualisierten Tests habe ich direkt Solus mit Gnome auf meinem MacBook Pro 2012 installiert und arbeite seither also mit Gnome. Und ja, ich bin wieder bei Solus gelandet. Aber Solus kommt dem einfach am nächsten, was ich eine runde Distro nenne. Also eine Distro, wo auf Details geachtet wird und die mir das Gefühl gibt, dass hier mit hoher Passion und Detailverliebtheit an der Distro gearbeitet wird. 'Werbeblock Ende'
Ich glaube, mein ursprüngliches Problem mit Gnome (beim Wechsel von Version 2 auf 3) war, dass ich nicht bereit war, den Computerdesktop neu zu denken. Ich wollte, dass der Desktop dem mir Bekannten und Vertrauten entspricht, und das tat Gnome 3 damals nicht. Mein Bild war von Windows und macOS geprägt und meine Bereitschaft, mich auf ein neues Bedienkonzept einzulassen, war nicht vorhanden.
Dass es nicht nur mir so geht ging, erkennt man auch an den vielen Erweiterungen für Gnome, die irgendwie alle helfen wollen, einen vertrauten Desktop wiederherzustellen. Ich fand es aber diesmal spannend, auf diese Erweiterungen zu verzichten und mich einfach auf Gnome einzulassen und quasi neben den bekannten Bedienkonzepten (Mac und Windows) etwas Neues zu entdecken und schätzen zu lernen. Denn nur weil wir uns an etwas gewöhnt haben, muss es nicht der effizienteste oder beste Weg sein.
Ein Beispiel: Dateien und Ordner auf dem Desktop. Auf meinem Mac lege ich Ordner und Dateien auf meinem Desktop ab. Manchmal, weil ich sie nur kurz brauche, und manchmal, weil ich zu faul bin, sie gleich am richtigen Ort abzulegen. Es geht halt schnell. Aber mit der Zeit sammeln sich immer mehr Icons auf dem Desktop und bei mir wächst das Gefühl, ich müsse aufräumen. Und es kommt noch dazu, dass ich jedes Mal, wenn ich meinen Desktop anschaue, mich die Unordnung stört, aber dann aus Zeitgründen oder eben Faulheit das Aufräumen verschiebe. Und je mehr sich auf dem Desktop anhäuft, desto grösser wird der Aufwand fürs Aufräumen, und schon nach kurzer Zeit liegt da bereits wieder etwas herum. Eigentlich kein grosses Ding, aber halt trotzdem etwas, was unterschwellig schlechte Vibes verbreitet. Bei Gnome (ohne Erweiterungen) ist der Desktop absolut clean. Nicht mal ein Dock ist zu sehen. Es ist wie eine leere Leinwand, die mich anschaut und fragt: Was wollen wir heute machen? Das finde ich mega befreiend und es fördert meine Kreativität.
Vielleicht denkst du jetzt, dass ich auch einfach bei allen anderen Desktops den Schreibtisch freihalten könnte. Ja, stimmt, aber nur bei Gnome kann ich ihn nicht zumüllen. Und das ist der Punkt für mich. Manchmal ist eine Einschränkung eine Befreiung.
Und dieser Grundsatz zieht sich bei Gnome irgendwie komplett durch. Gnome will nicht alles können oder anbieten und schon gar nicht jedem gefallen. Sondern ist, glaube ich, für Menschen, die in der Limitierung ihre Freiheit, Ruhe und Kreativität finden. Mit der gewollten Reduzierung (und eine gute Reduzierung ist eine Kunst) spricht Gnome aber auch Einsteiger an.
Ich glaube also, dass ich von KDE kommend mit Budgie einen Desktop gefunden habe, der auch einem bekannten Bedienkonzept folgt, aber bereits auf Reduzierung setzt und mich darum so angesprochen hat. Mit Gnome habe ich nun aber einen Desktop, der noch minimalistischer ist und gleichzeitig mir vertraute Konzepte verlässt und mich dadurch herausfordert, aber auch zu neuer Kreativität bringt. Ungefähr so würde ich meine Erfahrung in aller Kürze zusammenfassen. Und es wird deutlich, dass man beim Reisen einen Weg zurücklegt.
Jetzt bin ich natürlich neugierig. Welchen Desktop nutzt du und warum?



So sieht mein Solus-Desktop mit Budgie aus. (Bild von mir)
Unser charmanter Pudel (Dieses und alle weiteren Bilder und Videos in diesem Beitrag sind von mir.)
Was wohl Schönes unter der Haube schlummert? (Bild Connor Scott McManus, Pexels.com)
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